Schweizer Cannabis-Apothekenprojekt meldet keinen Mehrkonsum

Autor: Provimedia GmbH

Veröffentlicht:

Kategorie: News

Zusammenfassung: Die Schweizer SCRIPT-Zwischenbilanz zeigt bei 1.177 Teilnehmenden keinen Mehrkonsum, aber mehr schadensärmere Konsumformen und einen möglichen Jugendschutz durch Preise.

Eine Schweizer Zwischenbilanz liefert neue Daten zur Cannabisabgabe über Apotheken: Trotz reguliertem Zugang blieb ein Mehrkonsum aus, während Beratung und schadensärmere Konsumformen an Bedeutung gewinnen. Welche Rolle Preise, Jugendschutz und die Ergebnisse für die politische Debatte spielen, zeigt der folgende Pressespiegel.

Schweizer Apothekenprojekt meldet keinen Mehrkonsum bei Cannabis

Die wissenschaftliche SCRIPT-Zwischenbilanz aus Bern, Biel und Luzern kommt zu dem Ergebnis, dass der regulierte Zugang zu Cannabis über Apotheken nicht zu einer höheren Konsumhäufigkeit geführt hat. Nach Angaben des Hanf Magazins zeigen die Daten sogar leichte Abwärtstendenzen.

Am Projekt nehmen insgesamt 1.177 volljährige Personen teil, die bereits regelmäßig Cannabis konsumieren. Die Studie richtet sich damit ausdrücklich nicht an neue Konsumierende, sondern untersucht, wie sich ein kontrollierter Zugang bei bestehenden Konsumierenden auswirkt.

Die Abgabe erfolgt über neun Apotheken. In Bern und Biel läuft der Verkauf seit Herbst 2023, Luzern kam Mitte 2024 hinzu. Die Teilnehmenden verteilen sich auf 777 Personen in Bern, 261 in Luzern und 139 in Biel.

StandortTeilnehmendeBeginn der Abgabe
Bern777Herbst 2023
Biel139Herbst 2023
Luzern261Mitte 2024

Die SCRIPT-Studie steht für „Safer Cannabis Research In Pharmacies randomized controlled Trial“ und wird von den Universitäten Bern und Luzern unter der Leitung von Reto Auer von der Universität Bern durchgeführt. Bewilligt wurde sie vom Bundesamt für Gesundheit und den kantonalen Ethikkommissionen; finanziert wird die Forschung unter anderem vom Schweizerischen Nationalfonds und vom Tabakpräventionsfonds.

Wie ad-hoc-news.de berichtet, liefert die Zwischenbilanz damit erste empirische Hinweise darauf, wie sich ein kontrollierter Verkauf über Apotheken in der Praxis entwickelt. Der regulierte Zugang habe bei den Studienteilnehmenden keinen Anstieg des Konsums ausgelöst, teilweise seien sogar leichte Rückgänge festgestellt worden.

„Die Teilnehmenden konsumierten nicht mehr, teilweise wurden sogar leichte Rückgänge verzeichnet.“

Infobox: Die SCRIPT-Zwischenbilanz umfasst 1.177 Teilnehmende in Bern, Biel und Luzern. Das zentrale Ergebnis lautet: kein Mehrkonsum nach Einführung der regulierten Apothekenabgabe.

Blüten dominieren, E-Liquids erreichen 21 Prozent

Bei den abgegebenen Produkten stehen Cannabisblüten weiterhin an erster Stelle. Ihr Anteil liegt bei rund 65 Prozent, während E-Liquids auf 21 Prozent kommen.

Die Produktverteilung ist Teil der ersten Auswertung des regulierten Verkaufs. Nach Darstellung des Hanf Magazins zeigen die Zahlen, welche Konsumformen innerhalb des Apothekenprojekts besonders häufig nachgefragt werden.

ProduktAnteil
Cannabisblütenrund 65 Prozent
E-Liquids21 Prozent

Die Apotheken übernehmen dabei nicht nur die Abgabe. Fachpersonal informiert die Teilnehmenden über schadensmindernde Konsumformen und empfiehlt insbesondere das Verdampfen sowie die orale Einnahme anstelle des Rauchens.

Die Forschenden sehen Hinweise darauf, dass Teilnehmende häufiger auf diese Formen wechseln. Damit betrifft die Zwischenbilanz nicht nur die Frage nach der Konsummenge, sondern auch die Art des Konsums.

Infobox: Rund 65 Prozent der verkauften Produkte sind Cannabisblüten. E-Liquids erreichen 21 Prozent; zugleich wird in den Apotheken zu Verdampfen und oraler Einnahme beraten.

Beratung erreicht auch das persönliche Umfeld

Ein wesentlicher Befund betrifft die Weitergabe der Informationen. 71 Prozent der Befragten erklärten, dass sie die Hinweise zur Risikominderung aus den Apotheken an Menschen in ihrem persönlichen Umfeld weitergegeben haben.

Das Hanf Magazin beschreibt diesen Effekt als Multiplikator: Die Beratung beschränkt sich demnach nicht auf die registrierten Studienteilnehmenden, sondern kann auch Personen außerhalb des Projekts erreichen.

Auch ad-hoc-news.de hebt die Weitergabequote von 71 Prozent hervor. Der Apothekenverkauf erscheine dadurch nicht als reine Abgabestelle, sondern übernehme zusätzlich eine Aufklärungsfunktion, die beim Erwerb auf dem Schwarzmarkt fehle.

Nach Angaben des Hanf Magazins meldet die Studienleitung außerdem keine Vorfälle wie den Weiterverkauf an Dritte oder auffälligen Konsum im öffentlichen Raum. Die Zwischenbilanz enthält damit neben den Angaben zur Konsumhäufigkeit auch Beobachtungen zu möglichen Nebeneffekten des kontrollierten Zugangs.

Infobox: 71 Prozent der Befragten gaben die Beratungshinweise weiter. Die Studienleitung meldet zudem keine Vorfälle durch Weiterverkauf an Dritte oder auffälligen öffentlichen Konsum.

Preisaufschlag soll jüngere Erwachsene erreichen

Die Preise im Versuch liegen leicht über dem Schwarzmarktniveau. Nach Darstellung des Hanf Magazins dient der Aufschlag der Finanzierung der Beratungsleistung in den Apotheken.

Bei den Altersgruppen zeigen sich unterschiedliche Reaktionen. Ältere Teilnehmende akzeptieren den Preis offenbar ohne Weiteres, während die 18- bis 25-Jährigen deutlich empfindlicher darauf reagieren.

Die Studienleitung bewertet diese Preissensibilität als möglichen Hebel des Jugendschutzes. Gerade die jüngste Gruppe könne über den Preis erreicht werden, weil sie stärker auf die Kosten des legalen Angebots reagiere.

Das Hanf Magazin ordnet diesen Punkt als Argument ein, das in der deutschen Debatte bisher kaum vorkomme. Dort werde der Preis meist als Wettbewerbsfaktor gegenüber dem Schwarzmarkt diskutiert, nicht als steuerbare Stellschraube für den Zugang jüngerer Erwachsener.

Infobox: Der Preis des Apothekenangebots liegt leicht über dem Schwarzmarktniveau. Besonders die 18- bis 25-Jährigen reagieren laut Zwischenbilanz deutlich empfindlicher auf diesen Preis.

Pilotprojekt bis Oktober 2028 bewilligt

Die Laufzeit des Projekts wurde verlängert. Der Verkauf ist inzwischen bis Oktober 2028 bewilligt und endet damit zwei Jahre später als ursprünglich vorgesehen.

ad-hoc-news.de berichtet, dass die Verlängerung den Forschungsteams mehr Zeit für die Untersuchung langfristiger Effekte gibt. Dazu zählen das Konsumverhalten, gesundheitliche Entwicklungen und die Wirksamkeit der Beratung in Apotheken.

Nach Angaben des Hanf Magazins handelt es sich weiterhin um eine Zwischenbilanz und nicht um eine abschließende, begutachtete Publikation. Ein Teil der Befunde beruht auf Selbstauskünften der Teilnehmenden.

Die Ergebnisse fallen in eine laufende politische Debatte. Das Schweizer Parlament befasst sich weiterhin mit einer dauerhaften Regelung, dem geplanten Cannabisprodukte-Gesetz, kurz CanPG. Zuletzt verwies die Gesundheitskommission des Nationalrats die Vorlage an die Subkommission zurück.

Die Studienleitung sieht die Zwischenergebnisse ausdrücklich als Unterstützung für den Entwurf. Parallel werden weitere Pilotversuche ausgeweitet, darunter der St. Galler Versuch mit Postversand.

Infobox: Die Abgabe ist bis Oktober 2028 bewilligt. Die Zwischenbilanz ist nicht abschließend begutachtet; ein Teil der Ergebnisse basiert auf Selbstauskünften.

Einordnung der Ergebnisse

Die bisherige SCRIPT-Auswertung beschreibt einen regulierten Zugang, bei dem kein Mehrkonsum festgestellt wurde. Gleichzeitig zeigen die Daten eine mögliche Wirkung der Apothekenberatung auf Konsumformen und die Weitergabe von Informationen.

Die Aussagekraft bleibt jedoch auf die untersuchte Gruppe begrenzt. Teilnehmen durften ausschließlich volljährige Personen, die bereits regelmäßig Cannabis konsumieren. Die Studie zeigt daher nicht, ob eine allgemeine Freigabe neue Konsumierende anziehen würde.

Das Schweizer Modell arbeitet mit einer festen Studienpopulation, einer Apothekenabgabe und begleitender Beratung. Nach Angaben des Hanf Magazins setzt das deutsche Modell dagegen auf Anbauvereinigungen und den Eigenanbau; der Befund zur Beratungswirkung und zur Preissensibilität jüngerer Erwachsener sei dennoch für jede Regulierungsdebatte relevant.

Die Zwischenbilanz vom 9. September 2026 liefert damit vor allem Daten zum Verhalten bereits regelmäßig konsumierender Volljähriger. Für die politische Bewertung bleiben die weitere Laufzeit bis Oktober 2028 und die abschließende Auswertung maßgeblich.

Zusammenfassung: In der SCRIPT-Studie mit 1.177 Teilnehmenden wurde kein Mehrkonsum festgestellt. Cannabisblüten machen rund 65 Prozent der Verkäufe aus, E-Liquids 21 Prozent, 71 Prozent der Befragten gaben Beratungshinweise weiter und der Verkauf ist bis Oktober 2028 bewilligt.

Einschätzung der Redaktion

Die Ergebnisse sind ein relevantes Argument für regulierte, beratungsorientierte Abgabemodelle, rechtfertigen aber noch keine allgemeine Schlussfolgerung. Aussagekräftig sind sie vor allem für bereits regelmäßig konsumierende Erwachsene; mögliche Auswirkungen auf Neueinsteiger und die Gesamtbevölkerung bleiben offen. Entscheidend werden daher die langfristigen Daten bis Oktober 2028 sein.

Infobox: Das Projekt spricht für eine kontrollierte Abgabe ohne erkennbaren Mehrkonsum, liefert aber noch keinen abschließenden Beleg für die Folgen einer umfassenden Legalisierung.

Quellen: